|
Auszug aus Zeitschrift „ERLANGEN – Das Magazin zur Stadt“, Ausgabe 2003, Stadtleben
"Reformator" oder "Big Bear": Die Frauenauracher sind stolz auf ihre heimischen Bierkreationen -
aber auch sonst legt man in Erlangens Westen Wert auf Individualität. Die Kunst des Kesselmeisters - Setbstgebraut schmeckt's besser
Das fängt schon beim Bier an - in unmittelbarem Einzugsgebiet der Brauerstadt Erlangen ist der
beliebte Gerstensaft immer ein Thema. Doch ist man in Frauenaurach auf Bier-Importe aus der Stadt nicht angewiesen, denn der 3.500-Einwohner-Ort hat mit "Nachtbräu" und "Vierbräu" gleich zwei
eigene Brauereien vorzuweisen. Selbstbewusst werden die Bierkreationen im Internet vorgestellt: Da gibt es Bockbier und Rauchbier, den preisgekrönten Märzenbock "Reformator" oder das Braunbier "Big Bear".
Wer die Schöpfungen verkosten will, wird allerdings enttäuscht: Was sich auf der Website wie eine
kleine Brauerei präsentiert - und in manchem Bierführer auch als solche verzeichnet ist -, stellt sich bei näherer Betrachtung als reiner Hobbybetrieb heraus. Gebraut wird nach Lust und Laune auf dem
eigenen Hof im 100-Liter-Topf, Etiketten entwirft man selbst, und die Bügelflaschen werden in Handarbeit befüllt.
Würzig und ursprünglich, so beschreibt Vierbräu - "Kesselmeister" Andy Sperr den Geschmack des ungefilterten Bieres. Nach einem Brauerkurs an der Volkshochschule hatte ihn und drei Freunde die
Begeisterung gepackt - seitdem wird fünf bis sechs Mal im Jahr selbst gebraut. So haltbar wie das Bier aus dem Supermarkt ist der eigene Gerstensaft zwar nicht, aber lange bleiben die Flaschen und
Fässer sowieso nicht stehen. Denn wenn ein Vierbräu-Bier nach mehrwöchiger Lagerung im kühlen Felsenkeller seine Reife erreicht hat, findet das Getränk bei Freunden und Verwandten schnell
begeisterte Abnehmer. Mangels Meisterbrief darf das selbst gebraute Bier allerdings nur verschenkt, nicht verkauft werden. Für die Hobbybrauer kein Problem. So geht es Andy Sperr und seinen
Freunden weniger ums Geld, als vielmehr um die Pflege der heimischen Brautradition. Text: Christine Oerte
|